HANSESTADT SALZWEDEL |
Geschichte der Stadt Salzwedel
(nach Pohlmann)
Über den Namen der Stadt Salzwedel sind die Meinungen der Geschichtsforscher von jeher geteilt gewesen. Beurteilt man die Sache ganz unbefangen, ohne sich von den Vorurteilen irregeleiteter Chronikschreiber blenden zu lassen, so ist es in der Tat auffallend, dass man hierüber hat zweifelhaft bleiben können. Selbst Gelehrte vom ersten Range griffen nach einer weit hinaus liegenden Deutung, wiewohl die zuverlässige Ableitung ihnen so nahe lag. Wir wollen, um desto sicherer zu gehen, die Sache topographisch, historisch und grammatisch untersuchen.
Salzwedel hat offenbar seinen Namen von den Salzquellen und der salpetrigen Beschaffenheit des Wassers und Erdreichs. Das trinkbare Wasser, welches durch Röhren in die Stadt geleitet wird, enthält viel Salz und hat einen herben und scharfen Geschmack; aus diesem Grunde hat auch wahrscheinlich das Salzwedeler Bier den allgemein bekannten Namen Salzmann (im niederdeutschen Dialekt Soltmann) erhalten. Eben daher nahm man auch wohl die Veranlassung, einige in der Nähe liegende Wiesen mit dem Namen „Salzwiesen" zu benennen. Ja, was noch mehr ist, in der Gegend der sogenannten Hoyersburg vor dem lüchowschen Thore findet man einen Ort, der unter dem Namen „Die Sülze" bekannt ist und auf sichtbare Spuren einer Salzquelle hindeutet. Am Ende des siebenzehnten Jahrhunderts machte man sogar einen Versuch, dieser Quelle weiter nachzuspüren und hier Salz zu kochen. Wie dieser Versuch ausgefallen, weiß man nicht genau; indessen ist so viel bekannt, dass die Unternehmer sich durch den großen Kostenaufwand zurückschrecken ließen und seit der Zeit hat niemand weiter daran gedacht, hier eine Saline anzulegen.
Außer diesen Gründen, welche von der Beschaffenheit des Bodens hergenommen sind, wollen wir ferner auf die Art merken, wie wir den Namen der Stadt in den ältesten und nachfolgenden Zeiten geschrieben finden. Die ältesten Urkunden und bewährtesten Geschichtsschreiber nennen die Stadt „Saltwidele", welchem Beispiele mehrere Schriftsteller des Mittelalters gefolgt sind. Doch schrieb man im dreizehnten, vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert und auch noch späterhin „Soltwedel", so dass dis die gewöhnliche *) und fast allgemein herrschende Aussprache und Schreibart bis ins sechzehnte Jahrhundert hinein gewesen zu sein scheint. Denn von da an gab man in der Schriftsprache wohl zuerst der Benennung „Salzwedel" den Vorzug"), wiewohl man in der Sprache des gemeinen Lebens den älteren Dialekt bis auf unsere Zeiten beibehalten hat.
Endlich führt auch die grammatische Bedeutung des Namens auf eine Salzquelle hin. Solt heißt bekanntlich so viel als Salz, und „Wedel" halte ich mit dem Worte Quelle oder Spring für völlig gleichbedeutend. Das selbstständige Nennwort „Wedel" hat sich freilich nur noch in der Zusammensetzung mit „Fliegenwedel" er, halten; indessen wird das Zeitwort „wedeln" die Sache anschaulicher machen. Man gebraucht es, um die springende oder hüpfende Bewegung des Hundeschweifes anzudeuten. Daher heißt in der Sprache des gemeinen Lebens eine Quelle - ein Spring. Dass der Ausdruck Wedel in der Bedeutung einer Quelle veraltet ist, darüber wird sich niemand wundern, der es weiß, wie manche Wörter in ihrem Stamme veraltet sind, die sich dessen ungeachtet noch lange in ihrer Zusammensetzung mit andern erhalten haben *). Wer diese Gründe überdenkt, kann den Namen wohl nicht von ,,Sol", d. i. ein Sumpf, herleiten, wogegen zwar nicht die Natur des Bodens, aber desto mehr die Aussprache und Schreibart aller Jahrhunderte streiten, Man muss sich daher wundern, dass der sonst scharfsinnige Gerken der letzteren Meinung beigetreten ist**), weil man in diesem Falle nicht Soltwedel, sondern mit Auslassung des T Solwedel gesprochen und geschrieben haben würde. Das Mahrchen von der Sonne (l'ol auf latei- *) So sind z. B. die Stammwsmr: Sprengel, Gau, Mal, Kunkel, ziemlich veraltet, ob sie sich gleich in der Zusammensetzung: der Kirchensprengel, der Lemgau, das Grabmal, Denkmal, Kunkellehn, erhalten haben. 5*) Gerken lr2ßm. NlareKi<:. Thtil 2. S. 159. nisch)/ welcher zu Ehren die Stadt Salzwedel gegründet sei und weshalb man sie auch mit dem griechischen Namen Hellopolis beehrt, ist längst von der Kritik verworfen und verdient nicht, hier naher erörtert zu werden. Zuletzt will ich nur noch erwähnen, daß die Wenden, welche in der Nachbarschaft von Salzwedel wohnten, diese Stadt in ihrer Sprache Losby genannt haben.
Dies sind Auszüge des Buches, in der heute verständlichen Ausdrucksweise. Weiteres Folgt.
Quelle: folgt
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