HANSESTADT SALZWEDEL

1488 - Der Bierzieseaufstand

Aufgrund politischer Veränderungen, auf die wir hier nicht näher eingehen wollen, kam es im Jahre 1488 zu folgenden Ereignissen.

Die Ende des 15. Jahrhunderts bestehenden Gegensätze zwischen dem Städtebürgertum- und dem Adel endeten in einer politische Krise, Die Territorialfürsten schließen untereinander Bündnisse, um gegen die Städte stark zu sein. So schließt der brandenburgische Kurfürst Albrecht Achilles 1473 ein Bündnis mit dem Dänenkönig. "Ferner kamen sie überein," schreibt ein Chronist, "den Städten in ihrem Lande Macht und Selbstregierung zu nehmen. Keine Stadt soll mehr bestimmen dürfen über Steuer, Zoll und Recht, dem Fürsten soll es freistehen, jedes Jahr einen neuen Rat einzusetzen, wann ihm danach däucht." Die Stadt sollte fortan bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit besteuert und ihr Wohlverhalten überwacht werden. In der Regel nahm die Unterwerfung der Städte im Prozess der Einordnung in den brandenburgischen Territorialstaat folgenden Verlauf: Der Fürst sucht Streit mit der Stadt, richtet an sie Forderungen, die diese nicht erfüllen will. Nach ergebnislosen Verhandlungen rüsten beide Seiten zur Auseinandersetzung mit Waffengewalt.

Anlass zur Unterwerfung der altmärkischen Städte war 1488 die Erhebung der Bierziese. Das Bier, welches damals fast in jedem dritten Haushalt gebraut wurde, war bis dato noch nicht besteuert. Dies sollte sich jedoch bald ändern. Der Kurfürst zu Brandenburg, namentlich Johann Cicero (*1455 - †1499), führte diese Steuer ein. Diese setzte sich wie folgt zusammen; 12 Pfennig pro Fass Bier, sollte es denn verkauft werden, egal ob im Inland oder ins Ausland. Von denen er, 8 Pfennige bekäme und die jeweiligen Städte 4 Pfennig. Zu zahlen war das Geld an ihn vierteljährlich. Das ganze wurde auf sieben Jahre befristet. Sein Vorschlag sollte, im Landtag, beschlossen werden. Zusätzlich versprach er:

„Wir und unsere Erben sollen und wollen auch, binnen dieser sieben Jahre keinen Aufschlag, weder auf andere Handelszweige noch kaufbare Güter, oder wie man diese benennen mag, setzen noch legen, sondern bei den Zwölf Pfennig allein auf das Bier gelegt, unverändert bleiben lassen.“

Nachdem der Kurfürst sich die Zustimmung zu dieser Steuer vom Adel, der Ritterschaft, Bischöfe u.s.w. erkauft hatte, indem diese steuerfrei blieben, trat er gegen die altmärkischen Städte auf. Der Chronist schildert: "Die Tuchmacher, Weber, Kürschner und andere Zünfte der Stadt Stendal brachen zuerst mit der Empörung los, die Einwohner von Salzwedel, Gardelegen und Seehausen ließen sich hinreißen. Allerorts war man der Meinung, dass der Landtag, sie nicht derart in ihren Rechten und Privilegien beschneiden könne. Die unruhigen Bürger gingen in ihrer Wut soweit, dass sie die Schlösser der Adligen erstürmten. Das kurfürstliche Gehölz in der Nähe der Stadt Salzwedel wurde in Besitz genommen, und die Bauern, die für die markgräfliche Burg dort Holz holten, wurden mit Gewalt auseinandergesprengt.

Der Kurfürst trommelte darauf hin 2000 Landsknechte zusammen, um den von vorn herein zum Scheitern verurteilten, Aufstand zu beenden.

Die Gewandschneidergilde Salzwedels beteiligte sich übrigens nicht an den Auseinandersetzungen. Die Kämpfe gegen den Kurfürsten verloren die Städte, laut Überlieferung wurden in Salzwedel zwei Anführer der Kämpfe auf dem Marktplatz öffentlich enthauptet. Letzt endlich sollen es ca. 2000 Tote gewesen sein. Der Kurfürst bestimmte, dass dem Rat das freie Wahlrecht genommen wurde, alle Ratsherren wurden in Zukunft vom Kurfürsten bestätigt. Die Verbindung mit auswärtigen Städten wurde verboten. Die Unterlegenen mussten die Waffen, das Geschütz, welches der Stadt gehörte, aufs markgräfliche Schloss liefern. Wesentlich war für Salzwedel, dass sich von dieser Zeit an die Verbindung der Stadt zur Hanse lockerer gestalten musste. Die Biersteuer wurde verdoppelt und verlängert, den Gewandschneidern aber gestattet, weil sie nicht an den Kämpfen teilgenommen hatten, in Zukunft nicht nur auf dem Kaufhause Tuch zu schneidern, sondern auch in ihren eigenen Häusern.

Quelle: Zum Teil aus der Broschüre zur 750 Jahrfeier.

 

 

Johann Cicero (*1455 - †1499)

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