HANSESTADT SALZWEDEL |
1112 - Kaiser Heinrich V. belagert Salzwedel
Es kommt vor, dass eigentlich zweitrangige Angelegenheiten ein Fass zum Überlaufen bringen und der lang andauernde gegenseitige Groll sich plötzlich zu sogar militärisch geführtem Streit ausweitet. - So auch 1111/1112 vor Salzwedel.
Zur Vorgeschichte
Die Mutter eines gewissen Friedrich strandet an der Nordseeküste. So wird sie Hörige des Markgrafen,
zu dessen Grafschaft Stade die Küste gehört. Als ihre Söhne Friedrich und Ulrich erwachsen sind, überfallen sie eines Tages drei Bischöfe auf
der Reise, ertränken diese und rauben deren Geld. Mit dem Geld gelingt es dem klugen und ehrgeizigen Friedrich, sich Kaiser Heinrich IV. geneigt
zu machen. Der Kaiser verwendet sich auch für ihn, und fordert den Markgrafen auf, den Friedrich in der Grafschaft Stade als Verwalter einzusetzen.
Lothar-Udo III. von Stade willigt 1095 ein. So kann er dem Drängen des Kaisers nachgeben und hat gleichzeitig mehr freie Hand, sich um die Belange
der Nordmark zu kümmern, als deren Markgraf er seinen Stammsitz in Salzwedel hat.
Das Fass läuft über
Inzwischen sind mehrere Jahre ins Land gegangen. Dem Kaiser ist sein Sohn Heinrich V. gefolgt. Auch der
Markgraf ist inzwischen gestorben. Da sein Sohn Heinrich II. noch minderjährig ist, wird der Onkel des jungen Heinrich, Rudolf I. von Stade, sein
Vormund und führt die Nordmark bis zur Volljährigkeit seines Neffen. Kaiser Heinrich V. und die Sachsenfürsten sind inzwischen in Streit geraten.
Der Kaiser will die Zentralgewalt stärken, die Sachsen wollen ihre früheren Eigenständigkeiten sichern. Es grummelt also im Reich. Der Ministeriale
(heute würden wir ihn Beamter nennen) Friedrich erweist sich anfangs als fleißiger und strebsamer Vasall des Markgrafen. Doch dann lässt er sich in
das Ränkespiel des Adel hineinziehen. Er verfolgt das Ziel, seine persönliche Freiheit zu erlangen und die Grafschaft Stade selbst zu Lehen, nicht nur
als Statthalter zu bekommen. Gegen ansehnliches Schmiergeld verschachert er manche Güter des Markgrafen und auch des Bremer Erzbischofs. Es kommt zur
Klage vor dem Kaiser. Der setzt 1111 einen Verhandlungstermin zu Rahmstorf an. Da aber Markgraf Rudolf erfährt, dass Friedrich eine Anzahl Bauern bestochen
habe, die nun gegen Rudolf aussagen sollen, nimmt er kurzerhand den Friedrich gefangen und führt ihn in das Verließ seiner Salzwedeler Burg. Damit erregt
der Markgraf den Zorn Kaiser Heinrichs V., der sowieso mit den meisten sächsischen Großen in Streit liegt. Auf einer Fürstenversammlung Weihnachten 1111
zu Goslar nutzt der Kaiser den Vorfall, sowohl den Herzog Lothar von Sachsen wie auch den Nordmarkgrafen Rudolf von Stade in die Acht zu werfen und erklärt
sie all ihrer Rechte für verlustig. Um den Bann durchzusetzen, zieht Kaiser Heinrich V. 1112 gegen Salzwedel, wo sich Herzog Lothar und Markgraf Rudolf
verschanzt haben. Da auch eine Belagerung zu keinem Ergebnis führt, verständigen sich schließlich beide Seiten und einigen sich in einem Vergleich: Lothar
und Rudolf lassen den Gefangenen Friedrich frei und erhalten dafür alle ihre Ämter und Rechte zurück.
Salzwedels urkundliche Erstnennung
Nach der Belagerung und dem Vergleich vom Juni 1112 bleibt der Kaiser noch einige Zeit zur
Erledigung weiterer Angelegenheiten auf der Burg Salzwedel. In den ersten in Salzwedel ausgestellten Urkunden sind Markgraf Rudolf und Herzog Lothar
noch nicht als Zeugen genannt. Ludolf Parisius schließt aus einer während dieser Zeit am 16. Juni 1112 in Salzwedel ausgestellten Urkunde, die die
Siegel von einem Erzbischof, sechs Bischöfen und einer großen Zahl von Grafen trägt, dass Salzwedel zu dieser Zeit aus einer mächtigen Burg und einer
größeren Ortschaft bestehen muss, da sich die Burgbesatzung gegen das kaiserliche Heer so lange halten kann und so viele weltliche und geistliche
Fürsten mit ihrem Gefolge und das kaiserliche Heer sich gleichzeitig längere Zeit dort aufhalten können. Der heute noch in Salzwedel erhaltene Burgturm
stammt wohl aus dem 12. Jahrhundert und ist mit großer Wahrscheinlichkeit erst in der Mitte oder der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts unter Markgraf
Albrecht dem Bären in dieser Form aus Backsteinen erbaut worden. Offensichtlich sind aber die Fundamente und unteren Mauerreste aus Natursteinen schon
vorher während der Udonenzeit errichtet worden.
Quelle: ndrom.de


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